Weihnachtskonzert2019

Das Weihnachtskonzert des Albertus-Magnus-Gymnasiums, das am Dienstagabend der letzten Adventswoche in der Kapellenkirche stattfand, stand unter dem Motto „Weihnacht zur Gründungszeit des Rottweiler Gymnasiums 1630“. Peter Auginski hatte zu diesem Thema mehrstimmige Liedsätze aus Johann Degens Liederbuch von 1628 mit gregorianischen Hymnen zu einem Oratorium verwoben.

Entlang der lateinisch und deutsch gelesenen Introitus, Offertorien und Communioverse aus den Hauptgottesdiensten der vier Adventssonntage, des Weihnachts- und Epiphaniasfestes ergab sich so ein musikalischer Weg durch die Zeit zwischen der Verheißung des Messias und der Erscheinung des Herrn.
Die beiden Hymnen „Conditor alme siderum“ zum Advent und „A solis ortus cardine“ zum Weihnachtsfest wurden gregorianisch gesungen und jeweils mit einem organumartig gesetzten „Amen“ abgeschlossen. Die archaische Wirkung dieser Musik kontrastierte reizvoll mit den Sätzen Degens: Seine Harmonisierung des ältesten Adventshymnus „Veni redemptor gentium“, obschon noch mit modularen Kadenzierungen versehen, atmete doch hörbar den Geist der Barockzeit. Das galt erst recht für die „Kindelwiegen“: O Kind, o wahrer Gottes Sohn“ auf einen Text von Friedrich Spee, das aus der Schweiz stammende „Am Weihnacht-Abend in der Still“, das bekannte „Lasst und das Kindlein wiegen“ aus dem Kölner Cantuale von 1619 sowie das populäre „In dulci jubilo“, dessen dem 14. Jahrhundert entstammender Text Latein und Volkssprache vermischt. Diese Zeugnisse einer frühen subjektiven Christusmystik deuten die „Süße“ des Neugeborenen eschatologisch und tropologisch in Äußerungen der Seele, die in Gottesliebe auf die Erlösung zum ewigen Leben hoffen darf. Ergänzt wurden diese Zeugnisse mystischer Frömmigkeit durch Degens Sätze bekannter Weihnachtslieder, die die Einlösung der alttestamentlichen Prophezeiungen in der Inkarnation und Geburt feiern: „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, Der Tag, der ist so freudenreich“ sowie „Gelobet seist du, Jesu Christ“, Luthers neben „Nun komm‘ der Heiden Heiland“ und „Vom Himmel hoch“ bekanntestes Lied zur Advents- und Weihnachtszeit. Letzteres ist ein gutes Beispiel dafür, dass es selbst während des Dreißigjährigen Krieges keine Scheu gab, bekannte und anerkannte geistliche Lieder auch der anderen Konfession zu übernehmen: Degen nimmt Luthers Lied ebenso selbstverständliche in sein katholisches „Liederbuch“ auf wie solche des Jesuiten Spee.
Am Ende des Konzerts stand das Weihnachtslied „O du fröhliche“, dessen Genese wohl ein Paradebeispiel interkonfessionellen musikalischen Austauschs ist: Von der Melodie her ursprünglich ein sizilianisches Marienlied, wurde es zum unverzichtbaren Bestandteil des Weihnachtsgottesdienstes vieler protestantischer Gemeinden und gelangte im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts auch in die katholischen Gesangbücher.
Chor und Orchester des Albertus-Magnus-Gymnasiums boten unter der Leitung von Peter Auginski in einem warmen, vollen, durch die instrumentale Besetzung tief grundierten Klang eine berührende Darstellung, die die gut gewählten und arrangierten Hymnen und Lieder zu einem wundervollen musikalischen Erlebnis werden ließ. Eugen Knaus begleitete gewohnt souverän am Tasteninstrument. Pfarrer Jürgen Rieger und Matthias Engler lasen alternierend die lateinischen und deutschen liturgischen Texte. Begeisterter Applaus belohnte am Ende die Ausführenden.