Mysterienspiel2016Oehringen  Mysterienspiel2016Nuernberg

Die Gruppe trat in Öhringen auf und erlebte eine Studienfahrt nach Nürnberg

In der gotischen Stiftskirche in Öhringen zeigte die Mysterienspiel-Gruppe des Albertus-Magnus-Gymnasiums Rottweil unter der Leitung von Veronika Heckmann-Hageloch ihr selbst entwickeltes geistliches Schauspiel "Elemente des Lebens-Schöpferische Kräfte zur Gestaltung der Welt" im kulturellen Rahmenprogramm von "Kreuz und mehr" zur Landesgartenschau.

Begleitet wurde die Gruppe von Jugendlichen aus den Klassen 7 bis 12 außerdem von Dorothea Schöne, Eberhard Hageloch und Matthias Engler. In Öhrigen hatte die Leiterin der Gruppe 1978 begonnen, Mysterienspiele mit Schülern zu erarbeiten. Die gut besuchte Kirche wurde mit einem Farbenspiel durch zarte Seiden-Fahnen und prächtige Barock-Kostüme erfüllt. Texte und Musik aus verschiedenen Epochen ließen eindrucksvoll die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft sowie die kosmischen Kräfte Sonne und Mond, die alle als Personen auftraten, lebendig werden. So wurden mögliche Antworten auf die Fragen der Jugendlichen unserer Zeit aufgezeigt, wie sie die Welt mitgestalten könnten. Der Rottweiler Organist Peter Strasser und die Schramberger Sängerin Gabriele Reuter-Mink gaben der Aufführung einen besonderen musikalischen Glanz. Die Gruppe hat spontan entschieden, einen Teil der Spenden, die zur Deckung der Unkosten gesammelt wurden, für die vom Hochwasser besonders geschädigte Region Hohenlohe weiterzugeben.
Mitglieder der evangelischen und der katholischen Gemeinde, die der Gruppe seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden sind, hatten für Werbung gesorgt, die Mitwirkenden und Mitreisenden überaus freundlich begrüßt und im Stiftsgebäude, das an den Kreuzgang anschließt, mit Getränken und Gebäck köstlich bewirtet. Nach der Aufführung ging die Fahrt weiter zur Übernachtung nach Nürnberg. Der folgende Tag diente als Studienaufenthalt in der sehr sehenswerten Stadt in Franken, die an vielen Stellen das mittelalterliche Stadtbild einer reichen, ehemaligen Freien Reichsstadt bewahrt hat oder nach den verheerenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder herstellen konnte. Der erste Besuch galt der Kirche St. Sebald, die romanische und frühgotische Bauformen in sich vereinigt und die das berühmte Sebaldusgrab, eine Arbeit von Peter Vischer, einem Zeitgenossen Dürers, birgt. Im ehemaligen Wohnhaus von Albrecht Dürer, einem imposanten Gebäude nahe der Burg, erwartete "Agnes Dürer " die Gruppe zur Sonderführung. Sehr anschaulich und inforamtiv ließ Frau Michaela Pospiech die Zeit um 1500 und das Ehepaar Dürer lebendig werden. Ergänzt wurde die Führung durch eine Künstlerin, die vor Ort zeigte und erklärte, wie ein Kupferstich entsteht. Und über 150 originale Holzschnitte, Radierungen und Kupferstiche von Dürer selbst konnten sogar auch noch besichtigt werden, die von einem privaten Sammler der Stadt Nürnberg vor kurzem geschenkt worden waren. Diese hervorragenden Beispiele von Dürers grafischer Kunst werden derzeit in einer Sonderausstellung im Dürer-Haus gezeigt und fanden bei Jugendlichen und Erwachsenen großes Interesse. In einer langen Mittagspause hatten alle Mitreisenden die Möglichkeit, nach eigenen Interessen die Stadt zu erkunden. Die Besichtigung der Frauenkirche, seit 1815 die erste katholische Kirche der Stadt seit der Reformation, am Hauptmarkt war die nächste gemeinsame Station. Die filigrane Fassadengestaltung von Adam Krafft hat die Kriege unbeschadet überstanden. Das Innere birgt eine originelle Besonderheit, eine sellten dargestellte Szene. An einem Schlusstein ist "Der Schulgang Jesu" dargestellt, bei dem das Jesus-Kind mit einer Tafel in der Hand und Maria mit einer Rute über der Schulter von einem fliegenden Schutzengel begleitet werden. Der Lorenzkirche, die offiziell evangelisch-lutherische Bischofskirche von Bayern ist, galt der abschließende Besuch. Mehrere herausragende Kunstwerke in dieser sicherlich schönsten Kirche Nürnbergs ziehen dort den Blick auf sich. Der "Engelsgruß" von Veit Stoß schwebt mit über lebensgroßen Figuren im Chorraum und begeistert durch seine feinfühlige und aussdrucksstarke Gestaltung. Beim Blick auf das Kruzifix im Chor, ebenfalls von Veit Stoß, wurde der Bezug zum Kreuz im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil sinnenfällig deutlich. Das fast 20 Meter hohe Sakramentshaus von Adam Krafft, dessen Spitze sich in des Gewölbe biegt, war die Stiftung eines Nürnberger Patriziers, der im Gegenwert sich hätte drei Häuser leisten können. Die Reichsstadt Nürnberg hatte sich schon 1525 der Reformation angeschlossen. Die Fülle an kostbaren Ausstattungsgegenständen in vielen Kirchen blieb aber von einem Bildersturm verschont, weil sie weitgehend Stiftungen einflussreicher Familien waren. Bei schönstem Wetter nutzte die Gruppe gerne nochmals ein wenig freie Zeit vor der Rückfahrt nach Rottweil. Für die sieben mitwirkenden Abiturientinnen endete mit der Auffühung in Öhringen ihre Zeit, die sich bei einigen über mehrere Jahre erstreckte, in der Mysterienspiel-Gruppe. Die anderen Mitwirkenden haben ihr großes Interesse zum Ausdruck gebracht, dass es ein neues Spiel geben möge, bei dem sie gerne wieder dabei sein würden.