Anmelden

Angemeldete Benutzer haben Zugriff auf den internen Bereich der Seite mit Sprechstunden, E-Mail-Adressen, usw.

Kunstgeschichte, Architektur und Kulturgeschichte in direkter Anschauung konnten Schülerinnen und Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Speyer sehen und erleben. Die Klassen 6b und 10a waren am Mittwoch und tags darauf die Klasse 6a gemeinsam mit der 10b jeweils auf einer ganztägigen Studienfahrt. Organisiert, geleitet und geführt durch einige Museumsbereiche und den Dom wurden die Fahrten von Kunsterzieherin Veronika Heckmann-Hageloch, begleitet von den jeweiligen Klassenlehrern. Am ersten Tag waren Kathrin Zimmermann und Ralf Hanselmann dabei und am zweiten Tag Gabriela Sanciu und Eva-Maria Hillebrand-Ducks.

Speyer2015-1Der Aufenthalt in Speyer begann zunächst mit einem Besuch im Historischen Museum der Pfalz, das für seine besonders anschaulich inszenierten Ausstellungspräsentationen deutschlandweit berühmt ist und damit auch gerade junge Besucher ansprechen möchte. Ein kurzer Blick in die ständigen Abteilungen zur Steinzeit, zu den Römern und zum Mittelalter konnte einen Eindruck vermitteln, wie lebendig die Begegnung mit bedeutenden Spuren menschlicher Kultur sein kann. Gleich am Eingang beeindruckten zwei „Steinzeitmenschen" in Lebensgröße, die durch modernste wissenschaftliche Erkenntnisse lebensecht gestaltet sind und zeigen, wie Menschen vor rund 30.000 Jahren ausgesehen haben. Zeugnis einer Hochkultur im Südwesten Deutschlands ist der bei Schifferstadt in der Pfalz gefundene „Goldene Hut" von ca. 1200 v.Chr., der aus dünnem Goldblech getrieben ist und wohl religiöse Bedeutung hatte. Die Ornamente konnten neuerdings als Kalender entschlüsselt werden. In der Römer-Abteilung gewann man einen Eindruck von einem römischen Wohnzimmer und von einer antiken Küche. Die rekonstruierten Räume sind mit echten Funden ausgestattet. Zum Mittelalter bietet das Museum einen Einblick in eine mittelalterlicher Baustelle, Computeranimationsfilme zur Domgeschichte und den Domschatz, u.a. mit den Grabkronen der salischen Kaiser, die im Dom bestattet sind.

Speyer2015-2Diese Station führte hin zur Besichtigung des Domes, der von außen und innen betrachtet wurde. Schon lange zählt der Dom von Speyer zu den UNESCO-Welterbestätten. Zeitweise war der Dom die größte Kirche der Christenheit und beeindruckt noch heute in seiner klaren romanischen Formensprache und seiner außergewöhnlichen Schönheit. In Speyer beginnt die Epoche der Romanik, denn erstmals in der Baugeschichte seit der römischen Antike war hier das Mittelschiff eines Bauwerkes mit einem Gewölbe in derartigen Ausmaßen versehen worden. Die Domweihe fand im Jahre 1061 statt. Die Wölbung veranlasst hatte der Salier-Kaiser Heinrich IV., der zu seinem Gang nach Canossa von Speyer aus aufgebrochen war. In einer besonders schön gestalteten romanischen Doppelkapelle wird an Edith Stein erinnert, die jüdische Philosophin, die sich selbst als Atheistin bezeichnet hatte, bevor sie Christin wurde. Nach der Lektüre der Autobiographie von Teresa von Avila ließ sie sich taufen und empfing in Speyer die Firmung. Sieben Jahre wirkte sie als Lehrerin in Speyer. Später wurde sie von den Nazis verfolgt und in Auschwitz ermordet. Die Krypta, die schon 1041 Kaiser Konrad II., der erste Salier, bauen ließ, wirkt wie eine eigene Kirche mit ihren zahlreichen Säulen und den rot-gelb gestreiften Gurtbögen. In der 1906 neu angelegten Grablege befinden sich die Gräber von acht deutschen Kaisern und Königen. Auch das Grab von König Albrecht I. von Habsburg ist dabei, der 1308 in Brugg, heute Rottweils Partnerstadt, ermordet worden ist. Die Klosterkirche Königsfelden stiftete dort seine Witwe. Beim Blick auf die wesentlich durch barocke Bauten geprägte Stadt fiel der markante „Domnapf" auf, eine große mittelalterliche Steinschale, die auch heute noch zu besonderen Anlässen, wie der Einführung eines neuen Bischofs, mit rund 1500 Litern Wein gefüllt und an alle ausgeschenkt wird.

Bei sonnigem Vorfrühlingswetter bot dann eine ausgiebige Mittagspause Gelegenheit, die Schönheit der Stadt Speyer auf eigenen Wegen zu erkunden. Im Historischen Museum folgte dann der Besuch der Sonderausstellung „Titanic". In sehr eindrucksvoller Weise wird dort dieses Schiff und das Leben an Bord inszeniert. Nachgebildete Kabinen der ersten und dritten Klasse, das Veranda-Café, ein „Eisberg zum Anfassen" und originale Fundstücke, die erst vor wenigen Jahren aus dem 4 Kilometer tiefen Atlantik geborgen werden konnten, vermittelten einen sehr anschaulichen Eindruck von dem Schiff, das am 15.4.1912 einen Eisberg rammte und unterging. Jeder Besucher hatte zur Eintrittskarte eine Bordkarte mit Namen und Lebensbeschreibung eines Passagiers von damals erhalten und konnte auf den Namenslisten später feststellen, ob dieser zu den Geretteten gehörte oder nicht. Das persönliche Betroffensein vom Schicksal der Menschen auf diesem Schiff wurde so erreicht und alle recht konkret in die Ausstellung einbezogen. Deutlich wurde dabei auch, dass die Titanic gleichsam als Symbol für menschlichen Hochmut gelten kann, den es vom Turmbau zu Babel bis heute immer wieder gibt, wenn Menschen meinen, dass sie durch Technik und Wissen das Leben und die Natur vollkommen beherrschen könnten.

Nach ihrer Führung durch die Ausstellung leitete Frau Petra Henke einen Workshop zum Thema „Zoetrop - Als die Bilder laufen lernten". Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 stellten „Filmtrommeln" aus Karton her. Ein Bildstreifen mit Einzelbildern in verschiedenen Bewegungsphasen vermittelt durch Drehen der Trommel den Eindruck eines bewegten Films. Die Jugendlichen der Klassen 10 nahmen sich unter Anleitung von Frau Julia Pressler Werbeplakate zur Titanic zum Vorbild und gestalteten Variationen im Stil der Jahrhundertwende. Anschließend war noch Gelegenheit, nach eigenem Interesse die Abteilungen des Museums zu betrachten. Erfüllt von Eindrücken kehrten die 100 Studienreisenden zurück nach Rottweil.

Go to top