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Geschichte

Das Albertus-Magnus-Gymnasium pflegt eine langjährige Schulpartnerschaft mit dem Budapester Németh-László-Gimnázium. Die im XIII. Bezirk der ungarischen Hauptstadt gelegene, renommierte Schule passt als Partner hervorragend zum AMG. Die Schüler lernen ab der 5. Klasse Latein, Schüler- und Lehrerzahl sind vergleichbar und sogar die Gebäude zeigen auffallende Ähnlichkeiten. Der Deutschunterricht hat am NLG einen hohen Stellenwert. Viele Schüler lernen dort bereits ab der 5. Klasse Deutsch, manche hatten sogar schon in der Grundschule Deutsch als erste Fremdsprache.

Die Anfänge des nunmehr schon seit 23 Jahren bestehenden Schüleraustauschs reichen in die Zeit bis unmittelbar nach Öffnung des Eisernen Vorhangs zurück, an der ja Ungarn einen ganz wesentlichen Anteil hatte. 1990 fand die erste Begegnung statt und seitdem besuchen Schülergruppen beider Länder regelmäßig ihre jeweilige Partnerschule. Dass dieses älteste Austauschprogramm des AMG inzwischen an beiden Schulen von Lehrern der „2. Generation" durchgeführt wird, zeigt deutlich, dass diese Partnerschaft auf einem soliden, auch in der Zukunft tragfähigen Fundament steht. 

Kollegenaustausch

Neben der Begegnung der Jugendlichen findet auch ein regelmäßiger Lehreraustausch statt. In jährlichem Wechsel hospitieren Lehrkräfte ein bis zwei Wochen an den Partnerschulen in ihren Fächern und lernen dabei die unterschiedlichen Schulsysteme aus erster Hand kennen. Darüber hinaus erhalten sie so auch vielfältige fachliche und pädagogisch-didaktische Anregungen, die wiederum ihrer Heimatschule zugute kommen.

Rhythmus und Aufenthaltsdauer

In der Regel nehmen an der Austauschbegegnung, die ebenfalls in jährlichem Wechsel stattfindet (in einem Jahr kommen die Ungarn zu uns, im darauf folgenden Jahr fahren dann wir in die ungarische Hauptstadt) zwischen 15 und 20 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 teil. Die Aufenthaltsdauer beträgt jeweils 10 Tage.

Thematische Schwerpunkte

Jede Schülerbegegnung hat stets einen besonderen thematischen Schwerpunkt. Bei ihrem Besuch in Rottweil lernen die jungen Ungarn typische Landschaften Südwestdeutschlands wie den Schwarzwald oder die Schwäbische Alb auf mehreren (Fach-) Exkursionen kennen, angefangen von der Natur über die Geschichte bis hin zu Wirtschaft und Kultur.

Gleiches gilt auch für die deutschen Schülerinnen und Schüler in Budapest. Neben dem Besuch der Partnerschule und einer eingehenden Erkundung der ungarischen Hauptstadt werden immer auch ein- oder mehrtägige Ausflüge in charakteristische Landschaften oder bedeutende Städte Ungarns unternommen. In der Vergangenheit standen dabei so attraktive Ziele wie der Balaton, das Donauknie oder die Puszta auf dem Programm, an besuchten Städten seien nur Pécs, Kecskemét oder Sárospatak genannt. Oft hat die Schülerbegegnung auch einen übergreifenden Themenschwerpunkt wie beispielsweise das Schicksal der Donauschwaben oder die ungarische Revolution von 1956.

Ungarn-AG

Ein Charakteristikum des Schüleraustauschs zwischen AMG und NLG, das sich in vergleichbarer Form sonst wohl kaum findet, ist die intensive, monatelange Vorbereitung der Begegnung.

Da unsere Schüler nicht zum Sprachenlernen nach Ungarn fahren – während die jungen Ungarn oftmals sehr gut bis fließend Deutsch sprechen können, sind ihre deutschen Partner ja nicht in der Lage, die äußerst komplizierte Sprache der Magyaren zu erlernen – soll der Austausch neben der Begegnung mit gleichaltrigen Schülern in ganz besonderer Weise auch dem Kennenlernen der so vielfältigen und faszinierenden ungarischen Kultur, Geschichte, Geographie etc. dienen. Mit anderen Worten: Es geht letztlich um ein vertieftes ganzheitliches Kulturinteresse an einem mit Deutschland aufs engste verbundenen europäischen, ja man kann fast sagen, Nachbar-Land.

Unabdingbare Voraussetzung dafür ist aber eine intensive Vorbereitung und Information. Daher wurde schon vor Jahren eine spezielle „Ungarn-AG" ins Leben gerufen, deren Besuch für alle Austauschteilnehmer verpflichtend ist. Diese findet immer im ersten Schulhalbjahr wöchentlich zweistündig an einem Nachmittag statt. Dabei lernen die Jugendlichen die geographischen Gegebenheiten sowie die wichtigsten Ereignisse der ungarischen Geschichte von der Römer- bzw. Landnahmezeit bis zur Gegenwart kennen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die vielfältigen deutsch-ungarischen Beziehungen sowie die Geschichte der zahlreichen Minderheiten (Juden, Roma u.a.). Im Lauf der Monate entsteht dabei ein prall gefüllter, materialreicher Ordner, quasi ein kleines Ungarn-Kompendium, auf das die Schülerinnen und Schüler immer ganz stolz sind.

Konviktsdirektor Dr. Ulrich Fiedler, in dessen Hand die Planung und Durchführung des Austauschprogramms und auch die „Ungarn-AG" liegt, zitiert in diesem Zusammenhang gerne das bekannte Goethe-Wort: „Man sieht nur, was man weiß." Die deutschen Schülerinnen und Schüler sollen schon vorab möglichst viel über die ihnen in aller Regel nicht oder nur sehr wenig vertraute Kultur der Ungarn erfahren. Diese intensive Vorbereitung wird auch von den Gastgebern in Budapest immer sehr bewundert und äußerst wertgeschätzt.

Des Weiteren müssen alle Schülerinnen und Schüler zur Vorbereitung der Reise ein Kurzreferat zu einer Budapester Sehenswürdigkeit erarbeiten, um dann vor Ort ihren Mitschülern – quasi als „Experte" – deren Geschichte und Bedeutung näherzubringen. So können denn die jungen Rottweiler bestens vorbereitet ins Land der Magyaren fahren.

Nachbereitung

Damit die vielfältigen Eindrücke nicht wieder schnell in Vergessenheit geraten, sind alle Schülerinnen und Schüler verpflichtet – meist in Zweiergruppen – jeweils einen Tag ihres Aufenthaltes in Ungarn möglichst ausführlich zu protokollieren. Nach Ende der Fahrt erhalten dann alle Beteiligten ein Exemplar des Reisetagebuches. Damit können dann die „Ungarnfahrer" auch zu Hause nochmals die ganze Reise Revue passieren lassen und überdies haben sie so zusammen mit ihren meist zahllosen Fotos eine schöne und bleibende Erinnerung an die intensiven und eindrucksvollen Tage ihres Austauschs.

Warum eine Partnerschaft mit einer ungarischen Schule?

Unser Blick hier in Deutschland war und ist noch immer allzu sehr nach Westen gerichtet. Diese Asymmetrie ist in jeder Hinsicht ungesund. Vergessen wir nicht: Ungarn, das entfernungsmäßig nicht weiter weg liegt als die deutsche Nordseeküste, stellt für viele leider noch immer eine tabula rasa dar. Da Budapest aber in der Mitte unseres Kontinents liegt, treffen wir in Ungarn auch allerorten auf ein sehr ausgeprägtes (mittel)europäisches Bewusstsein.

Eine Schulpartnerschaft mit einer Schule in einem bei uns weitgehend außerhalb der Vorstellung liegenden Land erweitert den Horizont unserer Schüler in ganz erheblichem Maße. Sie lernen eine fremde und uns doch in vielem so nahe Kultur kennen und begegnen zugleich unterschiedlichen Lebensbedingungen, ja treffen auf so alte Tugenden wie Höflichkeit und beispiellose Gastfreundschaft.
Und nicht zu vergessen: In der Zeit ihres Aufenthalts leben die deutschen Gastschüler in einer der bedeutendsten europäischen Metropolen. Dieses Privileg bietet kein anderer Austausch am AMG. Budapest wird zurecht „Paris des Ostens" genannt. Es gibt wenige Städte, die so schön gelegen, so vielfältig und kulturell so reichhaltig sind (Konzerte und Theater!) wie die ungarische Hauptstadt an der bei Furtwangen quasi vor unserer Haustüre entspringenden Donau!

Dr. Ulrich Fiedler

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